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2. Weltkrieg

Hans Madlmayr Augenzeuge der Kämpfe in Gramastetten vor 75 Jahren

75 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges in Gramastetten

von Johann Madlmayr

Wann genau der Schulbetrieb vor dem Kriegsende eingestellt wurde, ist mir nicht mehr in Erinnerung. Ich kann mich nur an den letzten Schultag erinnern. Als wir zu Unterrichtsende aus der Schule (heute Gramaphon) kamen, sahen wir staunend eine Kolonne deutscher Soldaten, mit voller Ausrüstung und noch in Marschkolonne auf der Marktstraße stehen. Um welche Einheiten es sich handelte und welchen Auftrag sie hatten wussten wir nicht. Die Soldaten erhielten ihre Einsatzräume zugewiesen und wir konnten in den folgenden Tagen zusehen, wie sie ihre Stellungen einrichteten. Angeblich war in unserem Schulgebäude eine Kommandostelle eingerichtet worden. Dieses Schulgebäude ist bei den Kampfhandlungen in am 3. oder 4. Mai 1945 ausgebrannt und mit ihm unsere Zeugnisse, worüber manche nicht unglücklich waren.

Tagelang erwartete man das Eintreffen der Amerikanischen Kampftruppen in Gramastetten. Man konnte den sich nähernden Kampflärm aus dem oberen Mühlviertel schon seit Tagen hören. Am 3. Mai in den frühen Nachmittagsstunden wurde ein Hitlerjunge im Rodltal von Haus zu Haus geschickt, der die Bewohner aufforderte die Häuser nicht mehr zu verlassen, weil im Rodltal bei Rottenegg schon amerikanische Kampftruppen gesehen wurden. Ein Angriff auf Gramastetten war zu erwarten. Es herrschte große Angst und  Nervosität unter der Bevölkerung.

Das deutsche Militär war in ihren zugewiesenen Stellungen. Wir im Rodltal konnten nicht sehen, dass die Amerikaner sich bereits von Feldsdorf her näherten. Es ist uns nur aufgefallen, dass die deutschen Fahrzeuge alle, von nördlich der Rodl, rasch auf den Markt zurückzogen.

Um etwa 19 Uhr waren dann plötzlich mehrere Explosionen im Markt zu hören und mehrere Rauchsäulen stiegen auf. Die ersten Häuser im Markt brannten.

Wir glaubten, dass wir im Rodltal nicht in Gefahr wären und standen daher vor dem Haus (Schlangenvilla) und warteten aufgeregt ab. Es vielen Schüsse und man hörte Detonationen im Markt. Aus dem Raum hinter unserem Haus, oberhalb des Waldes kamen irrsinnig laute Motorgeräusche und Sirenen, wie von Einsatzfahrzeugen, die immer stärker wurden. Wir kannten derartigen Lärm nicht. Während wir geängstigt und aufgeregt vor dem Haus standen, sahen wir entsetzt, dass von der Pennmühle herauf bereits eine Kolonne Amerikanischer Panzer auf dem Markt zufuhr.  Noch sahen wir keine Gefahr für uns. Doch als die Panzerkolonne vor dem Ortseingang zum Stillstand kam, entstiegen den Panzern viele Soldaten, nahmen Waffen und Geräte auf und stürmten den Markt. Sofort begann ein heftiges Feuergefecht. Der Kampflärm verstärkte sich und plötzlich schlugen schwere Granaten neben unserem Haus im Wald ein und im Garten flog Erde auf. Erst jetzt erkannten wir die Gefahr in der wir uns befanden und liefen in das Haus. Wir versteckten uns hinter den Mauern, die kleinen Geschwister weinten.  Wir alle hatten große Angst. Wir konnten uns nicht vorstellen, warum mit Kanonen in unser Tal geschossen wurde.

Erst nach dem Krieg erfuhren wir, dass wir im Schussfeld der deutschen FLAK von Lichtenberg, Steyregg und Altenberg lagen. Diese FLAK Einheiten feuerten, als sie wussten, dass die Amerikaner bereits im Ort waren, auf Gramastetten. Alle Geschoße die zu hoch lagen schlugen in den Hang nördlich der Rodl ein.

In einer kurzen Feuerpause holte uns eine resolute Nachbarin von unserem Haus weg, weil ihr Haus durch den Hügel vom Rodlberg besser geschützt war. Die Granaten schlugen dort weiter oben im Wald ein. In Ihrem Haus hatten wir die erste Nacht mit, an die 15 bis 20 Frauen und 1 alter Mann aus dem Ort und 11 Kinder verbracht. Gegen Mitternacht wurde heftig an der Haustüre gepocht und energisch Einlass begehrt. Die resolute Nachbarin öffnete furchtlos die Türe. Sofort drangen bewaffnete Amerikaner ein und durchsuchten das Haus nach deutschen Soldaten. Als sie die verängstigten Frauen und Kinder sahen, beruhigten sie uns und sagten dass der Krieg in längstens 3 Tagen vorbei sein würde.  Der kommandierende Soldat sprach recht gut Deutsch und erzählte dass seine Mutter eine deutsche sei. Als wir am folgenden Vormittag wieder in unser Haus gehen wollten, mussten wir über viele Baumwipfel und Äste klettern, die von den Granatsplittern abgerissen wurden. Gegen Morgen war der Kampflärm weniger geworden und bei Tag war nur mehr in einiger Entfernung Kriegslärm zu hören.

Die zweite Nacht verbrachten wir im Haus  Ratzenböck am linken Rodlufer, weil in der Nacht wieder mit Beschuss durch die deutsche FLAK zu rechnen war. Zwei Kriegsinvalide, die dort Schutz gesucht hatten, haben uns geraten auf die sichere Seite der Rodl zu kommen. Es waren aber in dieser Nacht nicht mehr so viele Einschläge zu hören.

Die dritte Nacht war schon viel ruhiger und der Kampflärm war nun weiter weg zu hören. Dennoch verbrachten wir auch diese Nacht nicht daheim, sondern beim Leitnerschmied im Mostkeller, weil die Angst noch immer sehr groß war.

Langsam beruhigte sich die Lage und man wagte sich langsam wieder aus den Häusern.  Beim ersten Besuch im Markt sahen wir die Brandruinen und die großen Schäden, die der Krieg angerichtet hatte.

Auf der Böschung unterhalb der Abzweigung in das Rodltal oberhalb der Pennmühle lagen noch immer die zwei toten deutschen Soldaten, wie schon seit der Nacht vom 3. Auf den 4. Mai 1945,  die mit 5 weiteren Kameraden in Gramastetten ihr Leben am Ende dieses sinnlosen Krieges verloren hatten.

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2. Weltkrieg

In Gramastetten endete der Zweite Weltkrieg

Gramastetten unter Beschuss

Die letzten Tage des 2. Weltkrieges in Gramastetten

Am 3. Mai 1945 drang die Vorhut der amerikanischen Kampftruppe mit ihren Panzern um 7 Uhr abends im Markte Gramastetten ein.

Die letzte deutsche Verteidigungslinie vor Linz lief, kommend von Altenberg, nördlich des Marktes Gramastetten im Raume Feldsdorf über Limberg gegen Rottenegg zur Donau. Der unsinnige Befehl, dieselbe zu halten und mit Waffengewalt zu verteidigen, war für die Marktbevölkerung und die der Umgebung, da hier noch einige Teile der deutschen Wehrmacht befehligt wurden, katastrophal.

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2. Weltkrieg

75 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg

Es ist in diesen Tagen 75 Jahre her, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen ist. Es gibt von den Amerikanern einen Film von dieser Zeit, der die Kämpfe um Gramastetten zeigt. Zu diesem Anlass wurde vom ORF eine Dokumentation geplant und es wurden bereits Vorgespräche von Robert Gokl mit Menschen aus Gramastetten geführt. Durch die Corona Krise konnten diese Interviews leider nicht mehr durchgeführt werden. Trotzdem kommt in dieser Sendung, wen auch nicht mehr viel, Gramastetten vor.